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Zum Stand der Dinge bei Neurergus kaiseri

 

Der Zagros-Molch (Neurergus kaiseri) aus dem Iran ist auf der 15. CITES-Konferenz in Doha/Qatar unter Anhang I gelistet worden. Anhang I fasst die unmittelbar bedrohten Arten, die durch den internationalen Handel beeinträchtigt werden (können), zusammen und verbietet den kommerziellen Handel mit diesen (http://www.cites.org/eng/app/appendices.shtml). Hieraus ergeben sich höhere Anforderungen bei der Zucht der Art und für ex situ Artenschutzprogramme (vgl. elaphe 1 und 3/2010, jeweils Seite 83). Im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen ist aber unter bestimmten Voraussetzungen die Weitergabe von Nachzuchttieren möglich. Dr. Stefan Lötters, DGHT-Vizepräsident, und Dr. Peter Janzen, DGHT/VDZ-Koordinator für Erhaltungszuchten bei Amphibien, sprachen mit Vertretern vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). Die Situation lässt sich wie folgt beschreiben:

  • es besteht gemäß § 7 Abs. 2 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) eine Meldepflicht für Tiere, die besonders geschützt sind. Die Umsetzung der Beschlüsse der CITES in EU-Recht erfolgte mit der Verordnung (EU) Nr. 709/2010, die am 15.8.2010 in Kraft trat und damit die Meldepflicht auch für Neurergus kaiseri-Exemplare begründete. Seitens BfN war schon vor dem Gespräch gegenüber Tierhaltern, der DGHT und den Naturschutzbehörden empfohlen worden (vgl. elaphe 3/2010, Seite 83), Tiere, die vor dem 23. Juni 2010 erworben wurden, den zuständigen Behörden zu melden, damit der so genannten pre-Convention Status dieser Exemplare belegt werden kann. Er ist als Grundlage für die Anerkennung legaler Zuchtstöcke erforderlich.
  • Wildfänge und F1-Nachzuchten sind von einer Vermarktung ausgeschlossen.
  • sofern der legale Vorerwerb der Elterntiere belegt ist, können von den zuständigen Behörden anerkannte Nachzuchten ab der F2-Generation mit einer CITES-Bescheinigung vermarktet werden. Hierzu müssen sie jedoch individuell erkennbar sein. Eine Untersuchung zur Veränderung des Musters auf der Kopf- und Rumpfoberseite und dessen Eignung zur Individualerkennung ist an der Universität Wien in Zusammenarbeit mit dem Salamanderland (www.salamanderland.at) initiiert worden. Ein erster Bericht liegt dem Österreichischen Lebensministerium bereits vor. Weitere Ergebnisse sind ab Sommer 2011 zu erwarten.
  • in Sonderfällen, zum Beispiel wenn durch eine von den zuständigen Behörden anerkannte (insbesondere publizierte!) und reproduzierbare Methode der Zuchterfolg bis über F2-Nachzuchten (vgl. www.salamanderland.at/Artenliste/N.kaiseri/neurergus_kaiseri.htm) hinaus plausibel erscheint, kann das Vermarktungsverbot auch für F1-Tiere gelockert werden.
Wichtig sind Informationen über Halter und Züchter der Art, die Dokumentation der Zucht (z.B. eine Züchterliste, wie von der DGHT-AG Urodela geführt; www.ag-urodela.de/) und Publikationen zum Thema, um das Vertrauen der Behörden zu gewinnen, so dass problemlos wie beschrieben verfahren werden kann. Hilfreich wäre eine Datenbank über Zuchterfolge ab der F2. Auch Details zu verschiedenen Haltungsvarianten (immer versus zeitweise aquatisch) sollten gesammelt werden.
Wir danken den Vertretern des BfN für das wohlwollende und konstruktive Gespräch sowie Günter Schultschik vom Salamanderland für hilfreiche Ergänzungen.

Stefan Lötters & Peter Janzen

(aus: elaphe 1/2011, Seite 37-38, www.dght.de. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren.)