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Bericht von der internationalen Jahrestagung der AG Urodela 2015 (Teil 1)

 von UWE GERLACH

Das Treffen der europäischen Salamander und Molch-„Gemeinde“ fand vom 09. - 11. Oktober 2015 wie gewohnt in Gersfeld statt. Weiterhin verzeichnet die AG Urodela einen stetigen Mitglieder- und Tagungsteilnehmerzuwachs. Dieses Jahr waren insgesamt 166 Teilnehmer aus 12 Ländern anwesend.

Freitag, 09.10.2015
Begrüßung, Urodela-Magazin und Abendvortrag

Im Themenblock „Urodela Magazin – Schwanzlurche im Fokus der Öffentlichkeit“ wurden Beiträge zur Öffentlichkeitsarbeit der AG Urodela vorgestellt.
Dieses Jahr trat das Urodela-Magazin mit folgenden Themen auf:

NICOLE LÖFFLER & WOLF-RÜDIGER GROSSE Zur Diversität der städtischen Tierwelt, beobachtet in zwei Kunstteichen der Stadt Halle (Saale)
MICHAEL MORSCH Feuersalamander-Meldenetz in Hessen
MARIO RIEDLING & UWE GERLACH Neues vom Molchregister

Wolf-Rüdiger Große berichtete über die Sondersituation des Lebensraums „Stadt“ am Beispiel der Stadt Halle. Hier haben die Tierpopulationen mit extremen Widrigkeiten zu kämpfen, wie hohe Versiegelung der Flächen und starke Isolation und Fragmentierung der Vorkommen. Jedoch gibt es Umfelder wie Habitatkorridore, seien es Bahndammanlagen oder sogenannte Trittsteinhabitate. Im Speziellen wurden zwei künstliche Lebensräume, die Kunstteiche im Botanischen Garten und in der Franckeschen Stiftung, untersucht. Während sich im bereits 1870/71 angelegten Teich des Botanischen Gartens eine hohe Artenvielfalt von insgesamt 200 Tierarten, darunter drei Amphibienarten und eng verbundene Floren- und Faunenstrukturen zeigen, hat der junge (von 2010) Folienteich der Stiftung eine geringe Artenvielfalt (100 Arten) und häufige Massenentwicklung von einzelnen Spezies. Diese künstlichen Anlagen haben in den städtischen Gebieten eine wichtige Funktion zur Ansiedlung von Tierarten, bedürfen allerdings einiger Jahre um sich zu stabilisieren.
Unter dem Motto „GEMEINSAM FORSCHEN: Dem Feuersalamander auf der Spur“ versuchen die AGAR, Hessen-Forst FENA und die Universität Gießen in einem Gemeinschaftsprojekt zusammen mit allen interessierten hessischen Hobbyforschern möglichst viele Informationen zum Feuersalamander zusammenzutragen. Die Ziele und Methoden dieses Citizen Science Projektes, bei dem Bürger zur Forschung aufgerufen werden, wurde von Michael Morsch vorgestellt. Es gab rege Diskussion über das Für und Wider zur Angabe von exakten Fundpunkten. Der Link zur Fundmeldung ist zu finden unter: http://www.hessen-forst.de/naturschutz-artenschutz-der-feuersalamander-in-hessen-6035.html

Im Anschlußbeitrag von Mario Riedling und Uwe Gerlach wurden die Ziele des neuen Molchregisters vorgestellt. Folgende Punkte sind hierbei wesentlich, um eine Spezies aufzunehmen:

  • Erhalt und Nachzucht in der Natur bedrohter Tierarten (Archefunktion)
  • Erhalt und Nachzucht von genetisch einheitlichen Tieren (Archefunktion => Wiederansiedlung)
  • Befriedigung der Nachfrage nach speziellen Tierarten und somit Reduktion/Verhinderung von WF durch Tierhändler (Schutz der Populationen in der Natur, positives Image)
  • Kenntnisgewinn bei der Haltung und Zucht (Wissensweitergabe)

Des Weiteren wurden die technische Umsetzung mit einem Cloud-Service sowie die bereits definierten Arten gezeigt. Die AG-Mitglieder wurden zur Teilnahme aufgerufen.

Im gut besuchten Abendvortrag führten uns JOACHIM NERZ, MANUEL ACEVEDOS & SEBASTIAN VOITEL unter dem Titel „Kreuz und Quer durch Guatemala. Die Herpetofauna Guatemalas - insbesondere die tropischen Salamander“ in das zentralamerikanische Land. Nach Ankunft in Guatemala-Stadt begab man sich zunächst auf die westliche Seite des Landes in das Gebiet um den Atitlánvulkan, wo nach einem Aufstieg mit Allradwagen und zu Fuß eine Berghütte der Universität Guatemala bezogen wurde. Trotz intensiver – auch nächtlicher – Suche konnte man in diesem Gebiet keine Salamander (Bolitoglossa) finden. Die „Ausbeute“ an herpetologischen Bildern war jedoch immens und beeindruckend. Sie reicht von Baumfröschen, wie Agalychnis moreleti, über Glasfrösche, z.B. Hyalinobatrachium fleischmanni, die man mitsamt eines frischen Geleges unter einem Blatt finden konnte, bis hin zu Schlangen der verschiedensten Gattungen, wie Imantodes cenchoa, Tropidodipsas sartorii oder Geophis nasalis, um nur einige zu nennen. Beeindruckend war auch eine kurze Filmsequenz, in der man das durch die durchsichtige Bauchdecke sichtbare Herz des Glasfrosches beobachten konnte.
Weiter ging es auf der westlichen Seite des Landes ins Gebiet um den Vulkan Santiaguito. Dort wurden die Autoren mit dem Fund der ersten Salamander der Art Bolitoglossa occidentalis belohnt. Vor Ort wurde dann auch nach Blindwühlen gesucht. Hierzu wurde in händischer Arbeit auf einer Kaffee-Plantage der Bioabfall umgegraben. Und man hatte tatsächlich den erwünschten Erfolg: man fand drei Jungtiere der Art Dermophis mexicanus.
Weiter nördlich ging es auf dem Gebirgszug der Sierra Madre de Chiapas im Westen Guatemalas. Hier ist man bereits im Hochland der Sierra Madre und konnte bei einer Nachtexkursion Bolitoglossa engelhardti und den auffälligen Bolitoglossa lincolni finden.
Danach durchquerte man das mittelamerikanische Land und fuhr auf die karibische Seite des Landes. Bei den beschriebenen Nachtexkursionen im Schutzgebiet von Cerro San Gil und im Nebelwaldgebiet der Sierra Caral konnte eine große Zahl von Fröschen, Agamen, Schlangen und auch Salamandern entdeckt werden. Darunter auch die sehr auffälligen Bolitoglossa odonnelli und Bolitoglossa mexicana.

Nach diesem außerordentlich kurzweiligen Vortrag mit verschiedensten herpetologisch interessanten Tieren endet der offizielle Teil des ersten Tages unseres Zusammentreffens und wir gingen zum gemütlichen Beisammensein über.


Gruppenfoto der AG Urodela in Gersfeld (Foto J. Kopetsch)

Autor

Dr. Uwe Gerlach

Im Heideck 30

D-65795 Hattersheim

Email: duamger@yahoo.de.