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Bericht von der internationalen Jahrestagung der AG Urodela 2014 - 25 Jahre AG Urodela in der DGHT (Teil 1)

 von UWE GERLACH

Das Treffen der europäischen Salamander und Molch-"Gemeinde" fand vom 10. - 12.Oktober 2014 wie gewohnt in Gersfeld statt. Weiterhin verzeichnet die AG Urodela einen stetigen Mitglieder- und Tagungsteilnehmerzuwachs. Dieses Jahr waren insgesamt 159 Teilnehmer aus 13 Nationen an der Tagung anwesend. Das Treffen stand ganz im Zeichen des 25. Jubiläums der AG Urodela, die 1989 gegründet wurde.

Freitag, 10.10.2014
Begrüßung, Urodela-Magazin und Abendvortrag

Im Themenblock „Urodela Magazin – Schwanzlurche im Focus der Öffentlichkeit“ wurden Beiträge zur Öffentlichkeitsarbeit der AG Urodela vorgestellt.
Dieses Jahr trat das Urodela-Magazin mit folgenden Themen auf:

WOLF-RÜDIGER GROSSE Amphibia und 25 Jahre Mitteilungen der AG Urodela
HARALD HERPER Neues aus den Medien und von den Behörden (Tierbestandsmeldungen)
JENS CRUEGER Lobby für das Hobby. Was Terraristik mit Politik zu tun hat

WOLF-RÜDIGER GROSSE blickte zurück auf 25 Jahre Publikationen der AG Urodela. So wurde bereits im Jahr der Gründung das Heft „Urodela-Info“ an die Mitglieder versandt. Nach dem Einstellen dieses Informationsmediums im Jahre 2000 wurde im Jahre 2002 zusammen mit der AG Anuren die ‚amphibia‘ ins Leben gerufen, die bis heute als Organ für Berichte zum Thema Urodelen dient. WOLF-RÜDIGER GROSSE zeigte weitere Publikationen wie z.B. eine Postkartenserie mit Urodelenmotiven (2001) oder den Beitrag zum Sachkundenachweis Terraristik.
Einen Pressespiegel zum Thema Amphibien, Salamander und Terrarienhaltung stellte uns HARALD HERPER vor. Hier gab es ein breites Bild von wenig qualifizierten Anfeindungen des Hobbys bis zum erfolgreichen positiven Image beim Amphibienschutz. Auch die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden wurde erwähnt, die sehr häufig durchaus als positiv beschrieben wird, vor allem als neutral und zielführend. Die Mitglieder der AG wurden aufgerufen, Presseartikel zum Thema vermehrt an HARALD HERPER zu senden.
„Lobby für das Hobby“ hieß der einprägsame Titel von JENS CRUEGER. Er stellte dar, wie man den Angriffen sogenannter „Tierfreunde“ den Wind aus den Segeln nehmen kann. Nämlich durch das Prinzip „tue Gutes und sprich darüber“. Die Frage nach dem Wie und Wer und auch nach den Zielen wurde eingehend aufgezeigt und in der anschließenden Diskussion erörtert. Eine Auseinandersetzung mit den einzelnen sogenannten Tierrechtsgruppierungen wurde als nicht sehr sinnvoll erachtet, da diese nicht an Argumenten, sondern eigentlich an Spendengeldern und somit an Sensationen interessiert sind.

Im gut besuchten Abendvortrag führten uns CHRISTOPH SCHNEIDER & WILLI SCHNEIDER unter dem Titel „Mountains of Kurdistan – The magic of the Genus Neurergus“ in das türkisch-irakisch-iranische Grenzgebiet und fassten Ihre Erkenntnisse und Beobachtungen aus vielen Reisen zusammen. Ein Gebiet, das zurzeit geopolitisch im Fokus steht und aus den bekannten Gründen, speziell im Bereich des Iraks, nicht bereisbar ist. Die Vortragenden zeigten uns ausgehend vom Berg Ararat an einem neuen Fundort von Neurergus strauchi (Abb.1, somit noch weiter östlich als bisher angenommen) wie sehr auch die Vermüllung der dortigen Gewässer zunimmt und die Fauna bedroht.


Abbildung 1: Neurergus strauchii (Foto C. & W. Schneider)

Weiter ging es auf türkischem Gelände im Dreiländereck mit dem Fund von Neurergus crocatus zusammen mit Timon princeps kurdistanic, der Kurdischen Zagroseidechse. In der Nähe des Urmia Sees im West-Iran konnte neben Neurergus crocatus auch Salamandra infraimmaculata semenovi gefunden werden. Bei Shah Bazan (Iran) wurde die dritte Neurergusart Neurergus kaiseri nachgewiesen. Interessant war der vorgestellte Wissenszuwachs zu diesen Tieren und der beschriebenen Region seit 2008, nachdem einige Reisen von AG Urodela-Mitgliedern dorthin führten.

Samstag, 11.10.2014
Ganztägig Tagung und geselliges Beisammensein am Abend

Nach einer kurzen Begrüßung gedachten wir mit einer Schweigeminute dem in diesem Jahr verstorbenen Mitglied INGO PAULER.

Der Hauptvortragstag begann anschließend mit neuen Erkenntnissen zu den Krankheiten der Salamander. Unter dem Titel „Da ärgert sich der Salamander schwarz – Infektiöse Hauterkrankungen bei Amphibien“ zeigte der bekannte Tierarzt FRANK MUTSCHMANN verschiedenste bakterielle, virale und mykotische Erkrankungen dieser Tierklasse auf. Die Haut der Amphibien ist deren größtes Organ und hat auf Grund ihrer Lebensweise verschiedenste Funktionen; unter anderem enthält sie eine Vielzahl von Drüsen, die der Keimabwehr dienen. Durch Befall mit verschiedenen Krankheitserregern äußert sich die Erkrankung auch häufig durch Hautveränderungen. Allerdings kann man durch bloßes Ansehen der Hautveränderung, wie z.B. Schwärzung, nicht direkt auf die verursachende unterliegende Erkrankung schließen. Dies lässt sich zweifelsfrei nur durch eine professionelle Untersuchung klären.
JÜRGEN FLECK stellte in seinem Vortrag die Frage: „Zu viele oder zu wenige Arten und Unterarten - aus der Sicht eines taxonomischen Amateurs an Beispielen der Gattungen Salamandra und Neurergus?“ Auf Grund von DNA-Untersuchungen wurden in den letzten Jahren immer mehr Arten und Unterarten definiert. Beim Vergleich von bestimmten Arten beobachtet man mittlerweile größere Differenzen in der Morphologie innerhalb einer Population als zwischen Populationen verschiedener Arten. Als Beispiel hierzu dienten Salamandra salamandra crespoi, Salamandra salamandra gallaica von der iberischen Halbinsel und Neurergus crocatus aus dem Iran. Die Frage, ob die Aufspaltung in Arten oder Unterarten gerechtfertigt ist, wurde lebhaft diskutiert.
Den Ehrenvortrag zum Anlass des 25-jährigen Bestehens der AG Urodela hielt JOSEF-F. SCHMIDTLER, der ganz zu den Anfängen der Tier- und Amphibienbeobachtungen zurückging. Treffend zum Thema „Von den „alten Römern“ bis zu den ersten Terrarianern - Innovationen und Curiosa in der Geschichte der Amphibienforschung“ wurde aus der 37-bändigen Abhandlung von Plinius dem Älteren „Naturalis historia“ die damalige Beschreibung und Furcht vor dem Feuersalamander zitiert. Nach Arbeiten von K. Gessner und J.P. Wurffbain, der im Barock die erste wissenschaftliche und gut illustrierte Arbeit über Salamander und Molche im Jahre 1683 (Salamandrologia) publizierte, ging es über Rösel von Rosenhof zu C. Linnae, der die systematische Einteilung der Tiere darlegte. Die Anekdote zum schuppichten Frosch von J.J. Wallbaum hob die Stimmung der zahlreich Anwesenden entsprechend. Mit K. Jakobs im Jahre 1797 und J.M. Bechstein kann man den Beginn der Aquarien- und Terrarienkunde datieren. Der Vortrag bewies, dass ein Rückblick in die Geschichte keineswegs trocken sein muss, sondern ein für die Zuhörerschaft äußerst erquickliches Vergnügen darstellen kann.
Zum Abschluss des Vormittagprogramms begrüßten wir den Vorsitzenden der DGHT PETER BUCHERT, der ein Grußwort zum 25-jährigen Bestehen der AG Urodela hielt. Auch er ging nochmals auf das latente Problem mit den Anfeindungen zum Thema Wildtierhaltung ein und lobte die AG, die mit ihrem Molchregister und ihren Nachzuchten erfolgreich aufzeigen kann, wie wertvoll Terrarienhaltung zum Erhalt und Erkenntnisgewinn bei verschiedenen Tierarten ist. Anschließend erhoben wir die Sektgläser auf ein gutes Weiterbestehen in der Zukunft.
Vor der Mittagspause wurde durch unseren erfahrenen Fotografen der AG Urodela, JOCHEN KOPETSCH, das obligatorische Gruppenbild aufgenommen, wobei das Weitwinkelobjektiv stark gefordert war (Abb. 2).


Abbildung 2: Gruppenfoto der AG Urodela in Gersfeld (Foto J. Kopetsch)



Autor

Dr. Uwe Gerlach

Im Heideck 30

D-65795 Hattersheim

Email: duamger@yahoo.de.