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Bericht von der internationalen Herbsttagung der AG Urodela 2010

 von WOLF-RÜDIGER GROSSE

Die Tagung fand vom 15.-17.10.2010 wie immer im Bürgersaal der Stadthalle in Gersfeld/Rhön statt. Gersfeld wurde wieder für zwei Tage der Mittelpunkt der europäischen Molchwelt, wohl derzeit einmalig der ansteigende Zuspruch und die Begeisterung auf den Molchtagen.

 Freitag, 15.10.2010 Treffen aller am Molch-Register Beteiligten und Gäste.  

Unter der bewährten Leitung von Günter Schultschik trafen sich bereits um 17 Uhr nachmittags fast 80 Freunde und Interessenten. Das Molchregister ist inzwischen zu einem festen Bestandteil unserer Tagung geworden und ein integativer Bestandteil der aktuellen Artenschutz- und Tierschutzdiskussion. Günter Schultschik gab einleitend einen Überblick über die Aktivitäten des vergangenen Jahres. Auch unsere französischen und spanischen Freunde waren dabei wieder sehr aktiv. Angesprochen wurde auch der Stand der Zusammenarbeit mit der Amphibienarche, was von einer großen Mehrheit der Mitglieder der AG Urodela aktiv unterstützt wird. Seit 11 Jahren besitzt die AG-Urodela im Molchregister ein Instrument, das aktiv, unabhängig und erfolgreich „Erhaltungsnachzucht“ betreibt und wissenschaftlich dokumentiert (Grosse & Fleck 2009, Schultschik & Grosse 2009). Hier sollen auch in Zukunft die Aktivitäten der Amphibien-Arche und des Molchregisters der AG Urodela gebündelt werden. Die AG Urodela entwirft derzeit unter der Regie des Molchregisters ein Register der gefährdeten Schwanzlurcharten der Palaearktis (etwa 70 Arten), die von der IUCN erfasst und als gefährdet eingestuft wurden (Projekt captive-management-papers (ccm-papers)). Beispielhaft kann sich das Axolotl-ccm-paper auf unserer Homepage (www.ag-urodela.de) angeschaut und als pdf-Datei herunter geladen werden. Das Molchregister hat sich zu einem europaweit einzigartigen Forum zur Haltung von Schwanzlurchen entwickelt. Gesicherte Bestände, auf die die AG zu Recht stolz  sein kann, existieren vor allem bei einigen Arten der Gattungen Ambystoma, Hynobius,  Neurergus, Triturus, Tylototriton, Paramesotriton  und Cynops, wobei für Letztere bereits sogar weltweit agierende Register existieren.  

Im Abendvortrag berichtete  Max Sparreboom  von seiner Reise nach Korea und Japan der Molche wegen. Wir konnten einzigartige Bilder von der Landschaft, den Habitaten und den Molchen bewundern (s. amphibia 2011). Seltene Arten der Winkelzahnmolche (Hynobius) aus SO-Asien waren genauso begeisternd wie die Riesen unter den Schwanzlurchen, der Japanische Riesensalamander Andrias japonicus mit 1,25 m Länge.

Samstag, 16.10.2010 ganztägig Tagung und geselliges Beisammensein

Die Tagung begann mit einem wahren Besucheransturm von fast 120 Teilnehmer aus neun Ländern, Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Schweiz, Spanien, Tschechien und Österreich (Abb. 1).



Abb. 1: Tagungsteilnehmer Gersfeld 2010. Foto Kopetsch


 

Alexander Kupfer berichtete über Darwin und die Amphibien. Er gab eine Übersicht der Darwinschen Amphibienbeobachtungen. Anschließende Beispiele der Reproduktionsstrategien verschiedener Arten dokumentierten uns die Allgegenwärtigkeit der Evolution.  Ein Molchexkurs der besonderen Art präsentierten Jürgen Fleck und Thomas Schöttler: „Eine überraschende Wiederentdeckung: Neurergus derjugini (Nesterov, 1916), wieder einzigartig die retorischen Talente und die faszinierenden Molchportaits.

Die Zeit nach der Kaffeepause war ausgefüllt mit Diskussionen zur Nachzucht unserer Molche und Salamander. Danach folgten die Themen in einem atemberaubenden Feuerwerk der Molch-Terraristik 

Sandy Reinhard

Evolution des Sexualdimorphismus und der Lebensstrategien der Salamandridae

Joachim Nerz

Salamander der Appalachen

Kurt Grossenbacher

Eine ungewöhnliche Feuersalamander-Population

Uwe Gerlach

Auf Exkursion mit der New Yorker Herpetologischen Gesellschaft – ein Bildbericht

 Dank des großen Engagements unserer Mitglieder war das Spät-Nachmittagsprogramm mit nochmals sieben Beiträgen äußerst abwechslungsreich aber auch zeitlich dicht gedrängt (Dank allen für die große Zeitdisziplin bei den Vorträgen). Nach der zweiten Kaffeepause gelangten wir mit dem „ Das Tradescantia-Glas heute“ in den züchterischen Teil. Willy Wolterstorff hatte einst mit seinem Beitrag das Tradescantia-Glas und die Enchyträen als Futtertiere kleiner Molche der Molchliebhaberei in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg neue Impulse verliehen. Aufzuchtmethoden und viele kleine Tricks und Infos stehen bei diesen Beiträgen im Vordergrund:

Christoph  Schneider, Willi  Schneider

Durchs wilde Kurdistan - die Bergbachmolche der Gattung Neurergus im Irak

Joachim Nerz

Mimikry bei Bachsalamandern, Gattung Desmognathus

Joachim Nerz

Phaeognathus hubrichti, Beobachtungen am Standort

Günter Schultschik

Ist Neurergus kaiseri ein Höhlenbewohner?

Günter Schultschik

Verbreitung und Fundorte von Neurergus kaiseri

Kamil Szepanski

Weitere Nachzucht von Paramesotriton laoensis

Armgard Manitz

Nachzucht von Salamandra inframaculata semenovi 

 
Abb 2: Tagungsteilnehmer. Foto Grosse

Nach diesem Nachzucht-Marathon und einer kurzen Pause kamen die Berichte des Vorsitzenden  Wolf-Rüdiger Grosse zu „Allgemeines aus der AG Urodela“. Wir gratulierten den Jubilaren und den Ehrenmitgliedern der DGHT Ingo und Waltraud Pauler. Damit hat die AG nun fünf Ehrenmitglieder in ihren Reihen. Es wurde einstimmig der Beschluss gefasst, unsere Zeitschrift amphibia die nächsten Jahre unter der Redaktion von Wolf-Rüdiger Grosse weiter zu führen. Die amphibia wird in über 20 Länder in vier Kontinenten versendet und damit ist die AG U und die DGHT international bestens aufgestellt (s. Editorial amphibia H 1/2011). Weitere Beschlüsse zur besseren Gestaltung der AG-Arbeit, den Tagungen 2011 und 2012 wurden diskutiert. Nach wie vor gilt, wer keine Infos über Internet erhält, muß seine Email-Adresse noch einmal an Fam. Kraushaar (juergen.kraushaar@t-online.de) senden, da etliche Email-Adressen in der Teilnehmerliste der Tagung nicht leserlich geschieben wurden oder sich verändert haben. Öffentlichkeitsarbeit: Veröffentlichungen in vielen regionalen Zeitungen, Teilnahme Internetforen, Homepage zweisprachig, Züchterliste und Ansprechpartner, Anfragen an die AG Urodela weiterhin über den Kontaktbriefkasten - Bearbeitung Harald Herper (harald.herper@t-online.de). Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass im letzten Jahr unsere Homepage weit über 200 000 mal besucht wurde, was das gestiegene Interesse dokumentiert. Wissenschaftliche Arbeiten: Allgemeine Grundlagen für die Haltung von Amphibien werden aufgrund zahlreicher Hinweise  weiter ergänzt, Beiträge amphibia 2011/H 1 letzter Termin für alle Referenten 30.12.2010. Tierbörse: die Börsenrichtlinien sind im Internet abrufbar  und lagen zur Tagung aus, Verwaltungsgebühren wurden wie immer von der AG Urodela übernommen.

Die Leitung der AG Urodela bedankt sich bei allen, die die Gersfeldtagung 2010 zu einem bejubelten Ereigniss werden liessen. Die Erinnerungssalamander von Kirsten und Thomas Giersig gefertigt, erfreuten sich wieder bei allen Referenten größter Beliebtheit und sind ein Ansporn, selbst 2011 aktiv zu werden (Abb. 3).



Abb. 3: Dankeschön-Salamander 2010. Foto Giersig

 

Am Sonntag war Gelegenheit zu Anbietung, Demonstration und Tausch von Tieren, wovon reger Gebrauch gemacht wurde. Das Angebot an Nachzuchten war überwältigend groß (Abb. 4).



Abb 4: Nachzuchten auf der Börse. Foto Grosse


 

Nun der Ausblick 2011

Wir treffen uns vom 14.-16.Oktober 2011 in Gersfeld. Wir bieten Beiträge über Salamander der Appalachen, berichten aus dem Reich der Titanen: Riesen und Zwerge in den Küstenregenwäldern Kaliforniens oder von hüben wie drüben: die Gattung Hydromantes und Speleomantes in den USA und Europa. Daneben wird die Diskussionsserie zur Aufzucht von Larven/Jungtieren von Urodelen unter dem Titel „ Das Tradescantia–Glas heute“ fortgeführt, wo sich erfreulicher Weise viele unserer jungen Mitglieder und Gäste beteiligen. Weiterhin ist ein reiches Tierangebot zu erleben und ein Überraschungsgast zu begrüßen. Inzwischen sind schon fünf  Vorträge für 2011 angemeldet (bitte beim Vorsitzenden der AG Urodela, wolf.grosse@zoologie.uni-halle.de) anmelden).

Autor

Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Grosse

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Biologie/Bereich Zoologie,

Domplatz 4,

D-06099 Halle/Saale

Email: wolf.grosse@zoologie.uni-halle.de.