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Bericht von der Herbsttagung der AG Urodela 2008 – Gersfeld international

von WOLF-RÜDIGER GROSSE

Die Tagung fand vom 24.10. - 26.10.2008 wie immer im Bürgersaal der Stadthalle in Gersfeld/Rhön statt. Gersfeld wurde für zwei Tage der Mittelpunkt der europäischen Molchwelt, wohl derzeit einmalig der europaweite Zuspruch und die Begeisterung auf den Molchlertagen. 

 

Freitag, 24.10.2008 Treffen aller am Molch-Register Beteiligten und Gäste.

Unter der bewährten Leitung von Günter Schultschik trafen sich bereits am Nachmittag fast 60 Freunde und Interessenten. Das Molchregister ist inzwischen zu einem festen Bestandteil unserer Tagung geworden.

 

Günter Schultschik gab einleitend den üblichen Überblick über die Aktivitäten des vergangenen Jahres.

Die Neurergus-Arten sind alle rückläufig in den Terrarien vertreten, mit der erfreulichen Ausnahme von N. kaiseri. Sonst existieren nur noch wenige, meist infizierte Gruppen. N. kaiseri hingegen konnte sich dank zahlreicher Nachzuchten breit etablieren.

Erfreulich auch Nachrichten von der Taricha-Gruppe. Hier kamen Tiere von seltenen Formen rein und man wird sich nach Kräften bemühen, diese zu erhalten.

GUSTAVO ESPALLARGAS brachte per Powerpoint die Neuigkeiten seiner Paramesotriton-Gruppe, ebenso FRANCOISE MAILLET. Unsere französischen und spanischen Freunde waren sehr aktiv. Angesprochen wurde auch die Zusammenarbeit mit der Amphibienarche, was offensichtlich auf der Grundlage definierter Bedingungen (s. Beitrag MAILLET zu Euproctus platycephalus) von einer großen Mehrheit gewünscht wurde. Das Molchregister hat sich zu einem europaweit einzigartigen Forum zur Haltung von Schwanzlurchen entwickelt. Gesicherte Bestände, auf die die AG zu Recht stolz sein kann, existieren vor allem bei einigen Arten der Gattungen Ambystoma, Hynobius, Triturus, Tylototriton, Paramesotriton und Cynops, wobei für Letztere bereits sogar weltweit agierende Register existieren. Eine aktuelle Spalte in der Internetpräsentation unserer AG Urodela/Züchterliste vermittelt hier ständig neue Angebote/Nachfragen. So entstand auch ganzjährig eine Kontaktbörse zur gezielten Nachzuchtkoordination. Der tägliche Zugriff auf diese Internetstelle ist enorm angestiegen.

 

Im Abendvortrag führten uns ARMGARD MANITZ & WOLFRAM MISSLER wieder in den Iran - Teil 2 Exkursion in Kurdistan“, das Land ist besonders durch die Molche der Gattung Neurergus interessant.

 

Samstag, 25.10.2008 ganztägig Tagung und geselliges Beisammensein

Die Tagung begann mit einem wahren Besucheransturm. Es haben sich 113 Teilnehmer aus Deutschland, Belgien, Holland, Schweden, Frankreich, Schweiz, Spanien, Slowakei, Tschechien, England und Österreich an der Tagung beteiligt.

 

Abb. 1 Tagungsteilnehmer Gersfeld 2008 (Foto KOPETSCH)

 

HENK WALLAYS berichtete ein weiteres Mal mit exzellentem Bildmaterial über eine Californienreise, die er ganz den Salamandern gewidmet hatte. Dabei wurden uns drei Arten Lungenloser Salamander der Gattung Schlanksalamander, Batrachoseps und einige schöne Ensatina vorgestellt.

In gewohnt instruktiver Art schilderte MAX SPARREBOOM sein Wiedersehen mit Japan und den Molcharten Cynops ensicauda und Echinotriton andersoni.

Eine Molchexkursion nach Mexiko mit Schwerpunkt der Querzahnmolche aus der Gattung Ambystoma ging danach weltumgreifend nach Mittelamerika (JÜRGEN FLECK). Die Vielfalt der Amphibienfauna dieses Landes war uns allen nicht so bewusst. Der Referent konnte zeigen, wie sich verschiedene Arten an die Gewässer Bergbach, Steppentümpel und See angepasst haben. Einmal mehr erwiesen sich Fische, wie der Forellenbarsch als Amphibienfeinde, was speziell die Vorkommen von Ambystoma dumerili zu betreffen scheint.

Die Zeit nach der Kaffeepause war ausgefüllt mit der Ernährung (unserer Molche und Salamander!). Zunächst berichtete PAUL BACHHAUSEN über seine Futtertierzuchten. Für viele Teilnehmer waren sicher besonders die „Staubfuttertiere“ für Jungmolche interessant: Blattläuse, Ofenfischchen, Springschwänze und junge Kellerasseln.

CORNELIA GABLER war es vorbehalten, auf die bevorstehende Mittagspause hinzuarbeiten mit „Neues zur Kalziumversorgung von Schwanzlurchen“. Es war sehr informativ, etwas über die Möglichkeiten einer ausgewogenen Ernährung der Schwanzlurche zu erfahren. Gerade die richtige Ernährung scheint eine Voraussetzung für Nachzuchterfolge zu sein. Die Autorin wird dieses interessante Thema im Jahre 2009 mit einem Kurzbeitrag vertiefen.

Dank des großen Engagements unserer Mitglieder war das Nachmittagsprogramm mit nochmals 12 Beiträgen äußerst abwechslungsreich aber auch zeitlich dicht gedrängt. Zusätzlich angebotene Beiträge konnten nicht mehr berücksichtigt werden, so dass bereits Vortragsmeldungen für die Jahrestagung 2009 abgegeben wurden.

GÜNTER SCHULTSCHIK begann mit „Neues zur Systematik der Gattung Paramesotriton“ und ALEXANDER KUPFER folgte mit „Krebse, Haut oder Muttermilch – die Kinderstube der Blindwühlen“. Beides waren hoch informative Übersichtsbeiträge, die wir in der amphibia veröffentlichen werden.

Danach folgten wieder Vorträge zum Thema Salamander, das Tier durchzieht geradezu magisch die Folge unserer Tagungen der letzten 20 Jahre und ist unbestritten Thema Nr. 1

 

Abb. 3 Salamandra infraimmaculata orientalis (Foto FLECK)

 

KURT RIMPP berichtete spannend über „Die Weinberg- und Bahndamm-Salamander Baden-Württembergs“. Die Feldherpetologen unter uns waren voll auf begeistert.

Damit gelangten wir gleichzeitig in den dritten züchterischen Teil der Tagung unter dem Titel „ Das Tradescantia-Glas heute“. WILLY WOLTERSTORFF hatte einst mit seinem Beitrag das Tradescantia-Glas und die Enchyträen als Futtertiere kleiner Molche der Molchliebhaberei in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg neue Impulse verliehen. Aufzuchtmethoden und viele kleine Tricks und Infos stehen bei diesen Beiträgen im Vordergrund.

JÜRGEN FLECK begann mit der „Nachzucht von Salamandra algira tingitana und Salamandra inframaculata orientalis“ und berichtete gleich noch über „Nachzucht von Tylototriton wenxianensis“ und konnte damit seine phonetischen Fähigkeiten beim Gattungsnamen voll ausspielen.

PAUL BACHHAUSEN ergänzte seinen Beitrag über die „Haltung und Zucht von Paramesotriton laoensis“ aus dem vergangenen Jahr. Sein Beitrag war sehr schön mit Aufnahmen dokumentiert, eine Kurzfassung ist auf der Internetseite unserer AG zu sehen.

Das Ambystoma-Thema griff HENK WALLAYS noch mal mit seinen Erfolgen bei der Nachzucht von Ambystoma mavortium auf. Auch diese Art hat sich Dank unserer französischen Freunde gut in den Terrarien etabliert.

JENS CRUEGER befasste sich mit der in den Aquarien seltener gehaltenen Art des Mittleren Armmolches, Siren intermedia und seiner Nachzucht und Brutpflege. Dabei scheint dem Weibchen mit Nestmulde, Brutpflege und Kontrolle der Eier eine dominierende Rolle zuzukommen. Schwierigkeiten bestehen immer noch bei der Aufzucht der Larven.

SANDY REINHARD berichtete über ihr Projekt zu einer Diplomarbeit über die Geschlechtsbestimmung bei Molchen.

„Nachzucht von Salamandra i. infraimmaculata“ nannte SERGE BOGAERTS das Thema seines Nachzuchtberichtes, womit wir wieder beim Salamander waren. Diese kleine Salamanderart ist mit 14 cm fast ausgewachsen. Zur Anregung der Vermehrung ist eine Getrennthaltung der Geschlechter in der Vorpaarungsphase ratsam.

„Schwarz & Weiß“ gab Allen als Titel eines Kurzbeitrages Rätsel auf, die STEFAN MEYER dann aber schnell mit Beispielen von albinotischen Kammmolchen (rote Augen) und melanistischen Bernardezi-Salamandern löste. Sehr gute Fotos umrahmten seinen Vortrag. Im Gegensatz zu vielen Froschlurchen scheinen weiße Larven von Schwanzlurchen keine größeren Probleme in der Metamorphosephase zu haben.

Nach diesem Nachzucht-Marathon und einer kurzen Pause kamen die Berichte des Vorsitzenden, WOLF-RÜDIGER GROSSE zu „Allgemeines aus der AG Urodela“.

Aufgrund der Bedeutung begann der Block mit PAUL BACHHAUSENS Vorstellung der international agierenden Amphibienarche (www.amphibianark.org). INGO PAULER hatte bereits 2007 das Thema Amphibian ark, year of the frog 2008 eingeführt. Ein informativer Beitrag dazu steht in der elaphe 3/2008. Auf einem Amphibienseminar wurden 11 Arten für Erhaltungszuchten ausgewählt, darunter Tylototriton shangjing, T. asperrimus und Neurergus kaiseri. Der „Neurergus kaiseri- Gruppe“ eines zukünftigen Projektes der Amphibienarche gehören sechs aktive AG Urodela Mitglieder an. In der AG Urodela wurde auf der Gersfeld-Tagung noch über das Axolotl, Ambystoma mexicanum diskutiert. Die Art ist in ihrer Heimat hoch gefährdet und was in den Aquarien weltweit lebt, sind Hybriden mehrerer Arten. Die Stammart ist vielleicht nicht mehr vorhanden? Die Vivaristik könnte sich hier einbringen und eine gefährdete Art erhalten.

 

Ehrungen:

Goldener Salamander der DGHT im Jahre 2008 für DETLEF KÜHNEL und WOLF RÜDIGER GROSSE, Ehrenmitglied der DGHT wurde WOLFGANG BISCHOFF, allen Ausgezeichneten unseren herzlichen Glückwunsch.

Die AG hat auch 2008 wieder etliche Jubilare, denen wir herzlich gratulierten. Stellvertretend für alle sei hier ALFRED A. SCHMIDT zum 85 Geburtstag gratuliert (hierzu auch elaphe 4/2008). Eine Grußkarte ging auch an unseren Freund WOLFGANG MUDRACK und seine liebe Frau, beide konnten aufgrund Wolfgangs Erkrankung nicht anwesend sein.

Nach wie vor gilt, wer keine Infos über Internet erhält, muss seine Email-Adresse noch einmal an Fam. KRAUSHAAR (juergen.kraushaar@t-online.de) senden, da etliche Email-Adressen in der Teilnehmerliste der Tagung nicht leserlich geschrieben wurden oder sich verändert haben.

 

Öffentlichkeitsarbeit:

Teilnahme Internetforen,

Homepage zweisprachig,

Züchterliste und Ansprechpartner,

Anfragen - Bearbeitung HARALD HERPER weiterhin Ansprechpartner und „Briefkasten“ der AG (harald.herper@t-online.de),

9. Molchlertag der Fachgruppe Urodela-Austria in Wien,

Salamanderwanderungen in NRW u.v.a.m.

Damit die Haltung auch zukünftig in vernünftigen Bahnen verläuft, wurde gegen natur- und artenschutzfeindliche Aktivitäten eines NABU-Aktivisten vorgegangen. Davon hatte der Hattesheimer Anzeiger im Jahre 2008 berichtet.

 

Wissenschaftliche Arbeiten:

Allgemeine Grundlagen für die Haltung von Amphibien werden aufgrund zahlreicher Hinweise ergänzt,

Beiträge amphibia 2009 letzter Termin für alle Referenten 15.3.2009.

 

Tierbörse:

die Börsenrichtlinien sind im Internet abrufbar und lagen zur Tagung aus, Verwaltungsgebühren derzeit auf

140 € gestiegen und von der AG Urodela übernommen.

 

Die Leitung der AG Urodela bedankt sich bei allen, die die Gersfeldtagung 2008 zu einem bejubelten Ereigniss werden liesen. Die Erinnerungssalamander, ein wunderschönes Exemplar von Salamandra salamandra von JOCHEN KOPETSCH gefertigt erfreuten sich wieder bei allen Referenten größter Beliebtheit und sind ein Ansporn, selbst 2009 aktiv mitzuarbeiten.

 

Am Sonntag war Gelegenheit zu Anbietung, Demonstration und Tausch von Tieren.

 

Abb. 2 Börsianer auf der Gersfeld - Tagung 2008 (Foto GROSSE)

 

Verschiedene Buchhändler/Verlage mit aktuellen und antiquarischen Titeln waren wieder anwesend.

 

Nun der Ausblick 2009

Am 28. Oktober 1989 gründete sich auf einer Tagung im Forellenhof in Altenfeld die AG Urodela. Damit begehen wir im Jahre 2009 das 20jährige Jubiläum. Wir treffen uns vom 09. - 11.Oktober 2009 in Gersfeld. Wir bieten Beiträge über seltenere Gattungen wie Speleomantes und Batrachuperusan. Daneben werden die Dauerbrenner wie Tylototriton und Neurergus ihren Platz behalten. Ein interessanter Beitrag wird auch wieder die einheimische Herpetofauna streifen. Daneben wird die Diskussionsserie zur Aufzucht von Larven/Jungtieren von Urodelen unter dem Titel „ Das Tradescantia–Glas heute“ fortgeführt. Hier sind wieder zehnminütige Kurzbeiträge von allen Terrarianern gefragt, wie sie ihre Jungtiere aufziehen. Weiterhin ist ein reiches Tierangebot zu erleben und ein Überraschungsgast zu begrüßen.

 

Geplante Beiträge bitte bald beim Vorsitzenden der AG Urodela (Email: wolf.grosse@zoologie.uni-halle.de) anmelden, da wir die Vortragszeit wieder auf den Sonnabend von 9-17 Uhr begrenzen müssen, da im Jahre 2009 wieder Vorstandswahlen anstehen und wir nach 17 Uhr die Wahlversammlung abhalten wollen.

Wir hoffen, dass für alle Mitglieder, Freunde und Gäste auch 2009 wieder Etwas dabei sein wird.

 

Autor

WOLF-RÜDIGER GROSSE

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Zoologie,

Domplatz 4, D-06099 Halle/Saale

Email: wolf.grosse@zoologie.uni-halle.de.